Es gibt Momente im Leben, in denen alles um dich herum laut wird. Nicht unbedingt hörbar laut, sondern eher innerlich. Gedanken, Termine, Verpflichtungen und vielleicht auch Erwartungen. Erwartungen anderer an dich oder vielleicht auch deine eigenen Erwartungen an dich selbst. Selbst die Dinge, die dir Freude bereiten, können irgendwann zu einem konstanten Strom werden, der dich von dir selbst etwas entfernt.
Meine bewusste Entscheidung: Ich nehme mir Zeit. Nur für mich.
Vier Tage. Vier Tage Stille. Vier Tage ohne Gespräche, ohne Social Media, ohne äußere Einflüsse. Vier Tage Fasten – nur Wasser, Tee und selbst ausgewählte Säfte. Keinesfalls als Verzicht, sondern eher als Geschenk an mich selbst. Ich habe mich dafür nicht einfach nur „zurückgezogen“. Ich habe mich auch räumlich vom „Alltag“ getrennt. In meinen Praxisraum im hinteren Teil meines Gartens – ein Ort der Ruhe, ein Ort der Energie, ein Ort, an dem ich sonst Reiki gebe und Menschen in Ihre Kraft begleite. Für diese vier Tage wurde dieser Ort zu meinem Raum. Zu meinem Rückzugsort und zu meinem Spiegel.
Tag 1 – Ankommen, loslassen, einfach sein
Der Moment, in dem es begann, war geprägt von Vorfreude. Ich hatte alles vorbereitet. Alles war da, was ich brauchte. Und gleichzeitig wusste ich: Das Wichtigste bringe ich ohnehin mit – mich selbst. Dann wurde es still. Eine Stille, die ungewohnt war. Auch wenn ich mich bewusst dafür entschieden hatte, war da plötzlich… nichts. Kein Gespräch, kein Input, keine Ablenkung. Und genau das war der erste Schritt.
Ich habe an diesem Tag viel geschlafen. Sogar ungewöhnlich viel. Vielleicht kennst du das: Dein Alltag ist gefüllt. Nicht unbedingt mit Stress, aber mit Bewegung, mit Aufgaben, mit Gedanken. Und plötzlich ist da „freier“ Raum. Ein Raum, den dein Körper sofort nutzt. Ich habe mich nicht dagegen gewehrt. Ich habe es zugelassen.
Zwischendurch war ich wach. Ich habe gelesen, Reiki-Selbstanwendungen praktiziert und die Zeit für bewusst Atmung genutzt. Aber immer wieder kam dieser Impuls: Ruhe. Schlaf. Rückzug. Auch meine Gedanken waren noch sehr im Außen. Sowas wie, …
„Wird mich jemand stören?“
„Habe ich alles dabei?“
„Was mache ich die nächsten Tage?“
Ich habe diese Gedanken nicht unterdrückt oder bekämpft. Ich habe sie kommen lassen. Und ich habe sie wieder gehen lassen. Vielleicht ist das eine der wichtigsten Erkenntnisse: Gedanken müssen nicht unterdrückt werden. Sie dürfen da sein und sie dürfen weiterziehen.
Am Abend habe ich die Wärme in meiner Sauna genutzt, habe losgelassen, gespürt, geatmet. Und langsam begann ich anzukommen. Nicht im Raum sondern eher immer mehr bei mir selbst.
Tag 2 – Deine Wahrheit zählt, nicht die der anderen
Der zweite Tag begann ganz anders. Ich fühlte mich ausgeruht. Klar. Leicht. Das Fasten machte mir irgendwie nichts aus, eher im Gegenteil. Ich hatte mich bewusst für Säfte und Tees entschieden, die ich mag. Es fühlte sich irgendwie alles so stimmig an. Auch die Stille war nicht mehr fremd. Sie wurde hingegen ein Teil meines Tages. Doch meine Gedanken nahmen eine neue Richtung ein.
Nicht mehr: „Was mache ich hier?“
Sondern: „Was denken eigentlich andere darüber?“
Vielleicht kennst du das. Wir denken so oft darüber nach, wie unser Verhalten auf andere wirkt. Ob es verstanden wird. Ob es bewertet wird. Ob es „richtig“ ist. Und genau hier lag meine Erkenntnis: Es sollte nicht darum gehen, was andere denken. Sondern darum, wie es dir selbst geht.
Was tut dir gut?
Was stärkt dich?
Was bringt dich in deine Energie?
Ich habe für mich erkannt, dass ich bewusst wählen darf, mit wem ich meine Erfahrungen teile. Denn nicht jeder muss alles verstehen. Und nicht jedes Gespräch gibt dir Energie – manche nehmen sie dir. Das bedeutet nicht, unangenehmen Gesprächen aus dem Weg zu gehen. Aber es bedeutet, bewusst zu entscheiden, wo du deine Energie investierst. Die Stille hat mir genau das gezeigt.
Tag 3 – Fülle entsteht in dir, nicht im Außen
Am dritten Tag veränderte sich etwas Grundlegendes. Ich brauchte weniger Schlaf. Und gleichzeitig hatte ich mehr Energie als zuvor. Ich entschied mich, den Raum zu erweitern – und ging in den Wald. Nicht, um Strecke zu machen. Nicht, um ein Ziel zu erreichen. Sondern eher um zu sein. Ich nahm den Duft der Bäume und Pflanzen wahr. Die Geräusche der Vögel. Die Bewegung des Windes. Einfach den Moment. Und dann begegnete mir ein Reh. Es lief nicht sofort weg. Es blieb stehen. Beobachtete mich. Und ich beobachtete es. Ein war ein sehr stiller Moment. Ein verbundener Moment. In diesem Augenblick ging es um nichts anderes. Keine Gedanken. Keine Ziele. Einfach nur Sein. Und genau dort spürte ich es: Eine unglaubliche Leichtigkeit. Eine Energie, die nicht von außen kam. Sondern aus mir heraus.
Zurück in meinem Praxisraum wurde ich müde. Mein Körper forderte wieder Ruhe – und ich gab sie ihm. Am Abend kam ein weiterer, tiefgreifender Moment. Ich nahm mein Dankbarkeitstagebuch zur Hand. Und auch mein Journal mit alten Zielen und Wünschen. Ich blätterte. Und plötzlich wurde mir bewusst, was sich alles so wundervolles verändert hat. Was sich alles so erfüllt hat. Was längst schon Realität geworden ist. Eigentlich wusste ich das bereits – rational. Aber diesen Moment bewusst zu fühlen…war einfach überwältigend. Mir kamen die Tränen. Tränen aus Dankbarkeit. Aus Freude. Aus Liebe. Und ich habe erkannt: Es reicht nicht, nur zu denken, was du dir wünschst. Du darfst es bereits jetzt schon fühlen. Denn das Gefühl ist die Kraft dahinter. Die Dankbarkeit. Die Freude. Die Liebe. All das ist keine Theorie. Es ist Energie. Und genau diese Energie ziehst du in dein Leben.
Zwischendurch kam ein Gedanke: „Brauche ich den vierten Tag überhaupt? Es ist doch jetzt schon so schön.“ Und genau das war der entscheidende Punkt. Nicht abzubrechen, wenn es gut wird. Sondern weiterzugehen.
Tag 4 – Mit neuer Energie zurück in den Alltag
Der vierte Tag begann mit einem Gefühl, das ich kaum beschreiben kann: Stolz. Absoluter Stolz. Ich war stolz auf mich. Vier Tage Stille. Vier Tage Fasten. Vier Tage bei mir. Und es ging mir gut. Nicht nur körperlich, sondern auch innerlich. Ich fühlte mich klar. Stark und absolut zentriert. Und gleichzeitig freute ich mich auf das Leben „draußen“. Auf tolle Gespräche und auf die wundervollen Menschen um mich herum.
Ich verbrachte auch diesen letzten Tag noch einmal in der Natur, ließ alles Revue passieren und spürte eine tiefe Gewissheit: Das Leben meint es gut mit mir. Und ich vertraue darauf, dass auch das nächste Retreat genau dann zu mir kommt, wenn es dran ist.
Ich kam nun zurück in meinen Alltag mit mehr Ruhe, mehr Bewusstsein und mehr Verbindung zu mir selbst. Ich wusste: Ich darf mir diese Momente auch im Alltag schenken. Fünf Minuten Stille, bewusste Atemzüge, eine kurze Meditation oder eine Reiki-Anwendung.
Was du für dich mitnehmen darfst: Du musst nicht vier Tage verschwinden, um etwas zu verändern. Aber vielleicht darfst du anfangen, dir bewusst Raum zu geben.
Und vielleicht – irgendwann – auch mehr.
Was ich dir mitgeben möchte: Rückzug ist kein Weglaufen. Rückzug ist eine Rückkehr. Eine Rückkehr zu dir selbst. Und in dieser Stille liegt etwas, das im Alltag oft verloren geht: Klarheit. Kraft. Und deine eigene Wahrheit. Denn wenn du beginnst, dir selbst zuzuhören, wirst du feststellen: Alles, was du suchst, war schon immer da.
Dein Rondayas